Vom Käufer zum Betatester … «Things» sucks!

Samstag, 3. Januar 2009 um 19:45 Uhr

Nachfolgend ein Gastbeitrag von Ralf Wenzel aus Hamburg – Hintergrund ist ein entsprechender Kommentar meinerseits bei einem anderen Blogeintrag. Vielen Dank an Ralf! :D

Bild: Anabula.com

Vorab: Ich programmiere selbst hauptberuflich. Da ich also vom Fach bin, bin ich etwas sehr ungehalten über das Programm «Things» für Mac und iPhone – und über die merkwürdig anmutenden Geschäftsgebahren dieser Firma «Cultured Code».

Auf der Suche nach einem GTD-Programm für das iPhone habe ich eines der vielen Programme ausgesucht, «ToDo» heißen (von Appigo), bin schnell an seine Grenzen gestoßen und habe weiter gestöbert. Nachdem ich «Remember The Milk» nicht ausprobieren wollte, weil es sich um ein Mietprogramm handelt (das unverschämterweise als «kostenlos» angepriesen wird), habe ich mir «Things» heruntergeladen. Ich bin da eigen: Software wird gekauft und nicht gemietet.

Die Produktbeschreibung versprach einiges, so war es mir die 10 Schleifen wert. Erstaunlicherweise stellte ich fest, dass Task-Serien nicht möglich sind – eine, wie ich finde, Schlüsselfunktionalität. Genauso gut könnte man eine Textverarbeitung anbieten, die keinen Fettdruck beherrscht. Da die Produktbeschreibung auf den Mangel nicht hinweist, bin ich mir sicher, dass ich einen Prozess gewinnen würde; auch wenn irgendwo vergraben auf der Website in der FAQ ein entsprechender Hinweis zu finden ist. Jedoch hat mir meine Frau (die Rechtsanwältin ist) einen Vogel gezeigt als ich auch nur leise andeutete, diese 10 EUR zurück haben zu wollen.

Hier also mal die Liste von Macken, die mir so beim ersten Herumprobieren aufgefallen sind; einen wirklichen Softwaretest mache ich unter solchen Umständen gar nicht erst:

  • Wie schon gesagt: Wiederholende Tasks existieren nicht
  • Es gibt keine Tags. Das macht eine «Verschlagwortung» von ToDos praktisch unmöglich wie auch das zuordnen von Projekten zu gemeinsamen Oberbegriffen («beruflich», «Hochzeit», …)

Gerade Tags sind wichtig, wenn man wirklich viel zu planen hat, damit man möglichst schnell ausblenden kann, was gerade eh nicht akut ist (was soll ich mit beruflichen ToDos im Urlaub?)

Bei beiden nicht vorhandenen Funktionalitäten ist erstaunlich, dass die Desktop-Applikation sie beherrscht und die Informationen beim Sync einfach verlorengehen (meint: Nicht auf dem iPhone landen). Aber damit hat «Things» ja Erfahrung, denn:

  • Notizen zu Projekten (aka ToDo-Listen) kann man zwar beim Erstellen pflegen, aber dann nie wieder ändern. DAS geht nur in der Desktop-Applikation – die nochmal 50 EUR kostet (!!), man zahlt also insgesamt 60 EUR, um die Gesamtfunktionalität nutzen zu können; allerdings nur zum Teil auf dem iPhone. Eine Frechheit wenn man bedenkt, welche Funktionalität zum Beispiel RapidWeaver als Webseiten-Baukasten liefert zu einem vergleichbaren Preis (denn auch RW kostet ca. 60 EUR).

Dass diese Notizen auf dem iPhone nicht änderbar sind, ist aber nicht wirklich bedauerlich – weil man sie auf dem iPhone nicht einmal einsehen kann. Man sieht zwar: «Hallo, an dieser Liste hängt eine Notiz» und weiß, dass das Lesen der Notiz nur möglich ist, wenn man den 10 EUR nochmal 50 EUR hinterherwirft.

  • Weitere Merkwürdigkeiten: Ich trage die Aktivität «Hasenstall saubermachen» ein und terminiere sie auf den 3. Januar (das ist morgen). Trotzdem wird es mir in «Heute» angezeigt und wurde es gestern auch schon. Ich kann zwar auswählen «Nicht in Heute anzeigen», aber dann muss ich davon ausgehen, dass es mir am 3. Januar auch nicht in Heute angezeigt wird (Nachtrag: Da lag ich falsch, es erscheint). Meine lieben Programmiererkollegen: Was soll ich mit einer «Heute»-Funktion, wenn ich da schon Aufgaben von übermorgen drin sehe?
  • Und dann noch: Warum kann ich keine ToDos anderen zuweisen, die das gleiche Tool benutzen? Zum Beispiel per Mail? Eine Funktionalität zum Mailen gibt es – aber dann hat der Empfänger eine Mail mit den Daten, aber noch lange kein ToDo in seinem iPhone …

Kurzum: «Things» ist nicht mehr als eine Public Beta. Für eine solche überhaupt Geld zu verlangen, ist schon frech (insbesondere dann, wenn es um ein kleines «Merklistentool» geht – siehe den Vergleich mit RapidWeaver). Auf den Status und die fehlenden Funktionalitäten nicht hinzuweisen, ist in meinen Augen unlauterer Wettbewerb und ich hoffe, jemand von der Konkurrent mahnt das ab.

Abschließend betrachtet: «Things» ist das beste Beispiel für kostenfreie Testzeiten, die man als Softwarefirma einem Kunden einräumen sollte. So habe ich RapidWeaver kennengelernt und ich wusste ganz genau, was ich kaufe als ich es bezahlte.

Noch eine Schlussfolgerung: Nach dem «Am I Rich»-Debakel zeigt auch «Things», dass ein geschlossener «App Store» mitnichten zu einer hohen Softwarequalität beiträgt. Danke für den Beweis, Steve!

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19 Kommentare zu «Vom Käufer zum Betatester … «Things» sucks!»

  1. MacMacken sagt:

    Verstehe ich übrigens richtig, dass die Synchronisation von «Things» auf Mac und iPhone ausschliesslich per WLAN erfolgt?

  2. Ralf sagt:

    Ja, du verstehst richtig. Nur wenn beide Geräte im gleichen WLAN sind, ist ein Sync möglich. So ist das auf der Website auch dargestellt.

    Ralf

  3. MacMacken sagt:

    Nur wenn beide Geräte im gleichen WLAN sind, ist ein Sync möglich.

    Absurd … da muss man das iPhone grundsätzlich per Kabel mit iTunes synchronisieren, für Anwendungen wie «Things» aber zusätzlich WLAN verwenden – vorgemerkt für einen Blogeintrag! ;)

  4. Also das meiste von dem, was Du hier als Macken aufführst steht sehr deutlich in den FAQ zu Things iPhone/iPod touch, zum Beispiel dass Tags und wiederkehrende Aufgaben in einem späteren – kostenlosen – Update kommen…
    Und natürlich kann man die Notizen zu Aufgaben auf dem iPhone einsehen, zumindest bei mir klappt das ohne Probleme, ja sogar das Bearbeiten der Notizen. Und nein, ich habe auch nur die normale Version aus dem AppStore.
    Man kann sich natürlich vor dem Softwarekauf informieren, okay, muss man nicht. Und es kann auch sein, dass man Funktionen einfach nicht findet. Klar, beides möglich, ich frage mich nur, wer daran schuld ist – wirklich der Anbieter der Software?

    @MacMacken: nur per WLAN – geht auch mit dem iPhone wohl nicht anders, da Apple das (noch?) nicht erlaubt…

  5. Ah Sorry, Du meinst Notizen zu Projekten – ja, die scheinen auf dem iPhone echt nicht zu mögen. Ist mir vorher gar nicht aufgefallen, da ich sowieso Notizen immer nur zu den einzelnen To Dos mache… habe ich falsch verstanden…

  6. Ralf sagt:

    @Carsten:

    Natürlich steht es irgendwo in der FAQ. Ich lese aber die Produktbeschreibung (um es mal juristisch auszurücken: Die ist Bestandteil des Kaufvertrages, die FAQ nicht). Wenn so wichtige Funktionen erst in einem späteren Update kommen, frage ich mich, warum der Kaufpreis nicht auch nach einem späteren Update kommen kann.

    Das mit den Notizen hast du ja schon selbst aufgeklärt :-)

  7. Wie gesagt: man kann sich vor einem Kauf informieren, was ein Produkt kann oder man kann es lassen. Und in der Produktbeschreibung steht nicht, dass die aktuelle Version Tags könnte oder wiederholende Aufgaben… Also ist das Problem nicht, dass diese Funktionen in der aktuellen Version fehlen würden – sie werden ja in der Produktbeschreibung auch nicht versprochen – sondern, dass Du sie erwartet hast. Um es mal ganz und gar nicht juristisch auszudrücken: Persönliches Pech (deswegen dürfte Dir auch Deine Frau den Vogel gezeigt haben *g*)

    Und was den Kaufpreis angeht: der höhere Preis kommt auch erst, wenn das Ding die vollständige geplante Funktionalität hat. Das wurde bei der Vorstellung von Things für das iPhone auch so angekündigt:

    Here is the deal. As long as major features are missing, we will offer Things for the iPhone for US$ 9.99, which is 50% of what was initially planned. Missing features like syncing with the desktop version will be provided as free updates.

    Once more and more features are added, we will gradually adapt the price to its final target between $15 and $25.

    Meiner Meinung nach ein sehr faires Angebot: wer die Entwickler durch einen frühen Kauf unterstützt, der bekommt die Updates später kostenlos – wer später kauft – mit mehr Features – der zahlt eben mehr.

  8. Basti sagt:

    Schau dir doch mal TouchTodo an. Ist billiger und ich finde es gut. Leider kann ich dir jetzt nicht sagen, ob es exakt deinen Vorstellungen entspricht.

  9. Jens Krahe sagt:

    ich nutze omnifocus. Das ist zwar insgesamt teurer und der Funktionsoverkill, war aber solange es Beta war (Desktop App) umsonst. Things hatte ich mir nicht gekauft, weil es das Netz syncen nicht beherrscht.

    Das Fass Demo Apps im App Store ist ganz schon gross und in jedem Fall berechtigt. Vielleicht ab der Keynote am 6ten.

    Touch to do habe ich mir auch gekauft. Kann aber kein Netz sync. Allerdings wird Dir das alles wenig helfen.

    Es wird noch ein neues GTD Tool rauskommen. TUAW hat dazu vor 2-3 Wochen ein Post verfasst.

    Das perfekte GTD Tool wirst Du aber nicht finden. Insgesamt wirklich ein sehr schwieriges Thema.

  10. Olli sagt:

    Mich ärgert an Things (Mac), dass ‘Geplant’ nicht funktioniert: Ich ziehe eine Aufgabe von ‘Heute’ nach ‘Geplant’ und wähle ‘In 10 Tagen in Heute anzeigen’. Was geschieht? Am nächsten Tag, nicht erst in 10 Tagen, wird die Aufgabe in Heute angezeigt. Das Problem auch noch in der neusten Version. Macworld 2009 = Things Final 1.0, aber das ‘Final’ kann man nicht ernst nehmen.

  11. Ralf sagt:

    @Olli:
    Das ist wohl auch der Grund für meinen geschilderten Fall “Hasenstall sauber machen”.

  12. Martin sagt:

    Ich weiß nicht, was Ihr habt. Aus meiner Warte ist das Geschäftsgebaren von CC mehr als fair. Ich benutze persönlich allerdings die iPhone-App kaum, sondern primär die Desktop-Version. Und dafür hat CC bislang noch gar nichts verlangt. Kostet tut es erst ab der 1.0, die hoffentlich jetzt bald mal fertig wird. Und die soll zudem noch 10 EUR weniger kosten, weil ich mich recht früh mal angemeldet hatte.

    Ach ja, in der aktuellen T3N ist ein Artikel über CC drin. Die haben scheinbar kurzfristig alle Ressourcen auf die iPhone-App geschoben, weil die da eben sofort dran verdienen und damit quasi die Fertigentwicklung der Desktop-App finanzieren.

    Und wenn “Things” nix ist, dann gibt’s ja noch ‘zig andere GTD-Apps. OmniFocus wurde schon genannt und Midnight Beep bringt demnächst auch seine neue Version raus.

  13. Ralf sagt:

    @Martin:
    Wenn das für eine komplett funktionierende Desktop-Version geht, warum dann nicht für eine stark funktionseingeschränkte iPhone-Version?

    Sicherlich gibts noch zig andere – das Problem ist, dass ich Things jetzt bezahlt habe und nichts damit anfangen kann. Das war die Intention meines Beitrages.

  14. MacMacken sagt:

    Ich benutze persönlich allerdings die iPhone-App kaum, sondern primär die Desktop-Version. Und dafür hat CC bislang noch gar nichts verlangt.

    Ich halte es für eine Selbstverständlichkeit, dass für Software, die selbst vom Hersteller als unfertig bezeichnet wird, nichts bezahlt werden muss …

    Kostet tut es erst ab der 1.0, die hoffentlich jetzt bald mal fertig wird.

    … «Things 1.0» soll in weniger als zwei Tagen präsentiert werden …

    Und die soll zudem noch 10 EUR weniger kosten, weil ich mich recht früh mal angemeldet hatte.

    … dieses Angebot gilt noch bis am 15. Januar 2008 (mit «THINGSPRESALE20» als Coupon Code) …

    Ach ja, in der aktuellen T3N ist ein Artikel über CC drin. Die haben scheinbar kurzfristig alle Ressourcen auf die iPhone-App geschoben, weil die da eben sofort dran verdienen und damit quasi die Fertigentwicklung der Desktop-App finanzieren.

    … ja, und leider ist Cultured Code damit nicht allein – auch andere haben entdeckt, dass man auf dem iPhone mit unfertiger Software Geld verdienen kann. iPhone-Benutzer lassen sich leider noch mehr gefallen als Mac-Benutzer …

    Und wenn “Things” nix ist, dann gibt’s ja noch ‘zig andere GTD-Apps.

    … stimmt, aber solange man Software aus dem App Store weder ausprobieren noch weiterverkaufen kann, hilft diese Argumentation Betroffenen nicht weiter. Ich schätze Things auf dem Desktop trotz noch einigen lästigen Fehlern, bin aber froh, kein Geld für die iTouch-Version ausgegeben zu haben.

  15. Jens Krahe sagt:

    Der App Store muss unbedingt Demos mit ins DRM aufnehmen. Ähnlich wie bei leihbaren Videotiteln die ablaufen. Im Grunde ist die Infrastruktur da, vielleicht wissen wir morgen mehr…

  16. Michi sagt:

    Logisch, klar, unbedingt, noch mehr DRM! Bitte, bitte, bitte! Aber hallo?!

  17. Jens Krahe sagt:

    Ich finde, ganz ehrlich und wirklich DRM bei Apps Ok. Wer Entwickler ist, weiss wie beschissen es ist, wenn ein kostenplichtiges Programm, wovon man im Zweifelsfall von lebt, einfach kopiert wird.

    Demozeitraum muss mit ins DRM genommen werden (iPhone Apps) und wäre meiner Meinung nach der richtige Schritt.

    Was ich allerdings skeptisch sehe ist den App Store für Mac Programme zu erweitern. Das kann ein Distributionsweg sein, aber nicht der. So wie ich Apple einschätze, wird der irgendwann kommen – weil die digitale Signatur von Mac Apps ja schon länger im Gespräch ist.

    Es bleibt spannend :-) .

  18. Ulf sagt:

    Also ich mag mein Things. Die Anwendung ist sicherlich nicht perfekt, aber ich habe zwei Wochen lang einen ganzen Haufen an (nativen) Mac-Anwendungen und diverse Webapps ausprobiert. Viele davon setzen das GTD-Prinzip nicht mal in Ansätzen richtig um, Things gehört da wirklich zu den besseren Vertretern. Sollte irgendwann ein kostenpflichtiges Update kommen, werde ich mich sicherlich erneut auf dem Markt umschauen, aber derzeit ist Things für mich die beste GTD-Anwendung auf dem Mac. Sicherlich, ganz billig ist sie nicht und perfekt ist auch etwas anderes, aber etwas besseres habe ich nicht finden können.

    Zum Thema DRM: Ja, ein Demo-Zeitraum wäre angemessen. Auf der anderen Seite sind ca. 98 % aller Anwendungen so billig, dass ein Fehlkauf kaum jemanden umbringt. Schöner wäre es trotzdem, das streite ich nicht ab. Und DRM für Software ist wichtig. Für diejenigen unter uns, die selbst Software entwickeln sicherlich verständlich, für die Nicht-Entwickler zumeist leider weniger. Bei Musik nervt mich ein DRM, weil es mich daran hindert, meine Musik beispielsweise ohne Umwege auf meinem Autoradio abzuspielen, mit einer Anwendung habe ich ähnliches aber auch gar nicht vor ;-) Also @Michi, versuch dich mal in die Situation eines Entwicklers zu versetzen, der mit der Softwareentwicklung seinen Lebensunterhalt verdient.

  19. MacMacken sagt:

    «Things» ist sehr gut, deshalb habe ich es gekauft – gleichzeitig stören mich zwei Macken derart, dass ich einen Verkauf meiner Lizenz erwäge:

    http://www.macmacken.com/2009/.....nk-things/
    http://www.macmacken.com/2009/.....one-gtd-3/

    Typisch für proprietäre Software kann man bei «Things» zwar Fehler melden, aber man hat keine Ahnung, was damit geschieht. Fehlerbehebung in Arbeit? Kein Fehler aus Sicht der Entwickler? Fehler erkannt, aber kein Entwickler, der sich darum kümmert? Da lobe ich mir Software mit einem transparenten Bug Tracker! :)

    Passend zum Thema ein Lesetipp: http://shawnblanc.net/2009/01/.....wo-things/ (Shawn Blanc nimmt «Things» auf dem Mac und dem iTouch unter die Lupe).

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