Adware-Märchen à la Inquisitor
Mittwoch, 9. Januar 2008 um 11:15 UhrDavid Watanabe, Entwickler der Safari-Erweiterung «Inquisitor», die als Adware funktioniert ohne die Benutzer darüber zu informieren, hat nun seine Sicht der Dinge publiziert – merci an Andy für den entsprechenden Hinweis!

Nachfolgend die Stellungnahme von Watanabe – da sich Watanabe leider für «Comments Off» entschieden hat, bringe ich meine Bemerkungen an dieser Stelle an …
It’s true, Inquisitor supplements results for certain keywords with product links to Amazon.com and the Apple Store. But the thing is, this isn’t news. It’s been like this ever since Inquisitor 3 was released 16 months ago. This behavior is public knowledge, and after over a year of soak-time in the public with no complaints it should be a non-issue. So, imagine my surprise when I wake up to a mailbox containing words unfit for publication, blogs declaring me as the biggest asshole in the world, and demands that people sabotage and steal my work.
Watanabe gibt zu, dass «Inquisitor» Adware ist, schon seit 16 Monaten. Gleichzeitig behauptet er, das sei seit über einen Jahr bekannt («public knowledge»). Wieso erst seit einem Jahr und nicht von Anfang an? Und woher überhaupt konnten die Benutzer davon wissen?

Auf der «Inquisitor»-Website heisst es heute noch, das Programm sei «free», von Adware ist keine Rede, es wird sogar noch um Spenden gebeten («Donations appreciated!»).

Auf der Download-Seite für «Inquisitor» findet sich ebenfalls kein Hinweis auf Adware – es wird lediglich für andere Programme von Watanabe geworben, unter anderem für «Xtorrent», das anscheinend auf unrechtmässig genutztem Quelltext von «Transmission» beruht …

… und auch im Installationsprogramm fehlt jeder Hinweis auf die «Inquisitor»-Finanzierung durch Adware.
Generell fällt auf, dass die Informationen zu «Inquisitor» auf der Website und im Installationsprogramm äusserst knapp gehalten sind. Die Website enthält beispielsweise keinerlei Angaben zum Support und im Installationsprogramm fehlen Lizenzbestimmungen vollständig.
I’ve always been very proud of Inquisitor. It’s small, lightweight, and entirely unique at what it does. Best of all, the revenue model means that Inquisitor 3 is totally free for users. I think it’s quite clever in how it presents ads. Ads are treated like any search result, meaning that if a user clicks on a different choice, the ad will sink below the chosen result. So, if an ad isn’t what you wanted, it will drop in the rankings, ultimately sinking to the bottom. This design is deliberate.
Watanabe gibt weiter zu, dass er die Adware-Funktionalität von «Inquisitor» absichtlich («deliberate») versteckt hat und sieht darin gar noch einen Vorteil für den Benutzer. Dabei verwechselt er auch gleich noch Adware mit vollkommen kostenlos («totally free»). Kennt Watanabe den TINSTAFFL-Grundsatz etwa nicht?
It gives the user an element of control, and is a nice compromise between the necessity of ads and the need for users to control their experience. That said, Inquisitor’s ads are hardly pervasive. They appear only for a small handful of keywords, so sparsely chosen that the average user will never see one. Revenue-wise they are marginal, but every little bit helps.
Benutzerkontrolle über eine Adware-Funktionalität, die als solche nur mit viel Aufwand zu erkennen ist?
Now, I guess people have forgotten that Inquisitor 2 was a shareware product. The release of Inquisitor 3 as ad-supported freeware was a massive risk. I doubt many shareware authors would take a successful revenue-generating product and make it freeware on a whim. However, at the time I was feeling idealistic. I genuinely felt that Inquisitor was a great experience that everyone ought to be able to enjoy, and that it made the world (a small bit) better. So, with good intentions I made the switch to freeware. The inclusion of very limited advertising was a necessary evil, to dampen the financial disaster of the switch.
Versteckte Adware, also eigentlich Spyware, als Idealismus? Idealismus wäre die Veröffentlichung von «Inquisitor» als freie Open Source-Software (FOSS) … und ja, viele erinnern sich, dass «Inquisitor» früher als Shareware vertrieben wurde, und hätten es weiterhin gerne so. Im Übrigen verwechselt Watanabe weiterhin Adware mit Freeware.
Ultimately, designing great software isn’t easy, especially when it’s being done as a hobby. I have few resources and since expectations are unbounded, it’s a certainty that I will always fall short. That’s not evil, malice, or incompetence – it’s just meathook reality. Nonetheless, I grit my teeth and try my best. But increasingly my good intentions and sacrifice are being met with cynicism and deliberate mean-spiritedness. Fundamentally I’m a nice person, quiet spoken and non-confrontational. Sacrificing six years of my life to enhance the lives of people whom I will never meet is not a self-serving action. But when I get threatened with harm and called an asshole by someone I have never met, when my ‘transgression’ was creating something unique and giving it away for free to everyone… well, my idealism about the Mac dies a little. If this is you, then I welcome you to leave. Your burden is not one I wish to bear.
Kommen noch anderen gleich die Tränen?
Erbärmlich, aber nicht einzigartig, Spammer beispielsweise argumentieren jeweils ähnlich, dito andere «Sünder», sie meinen es ja immer gut mit ihren Opfern …
Mit seiner Stellungnahme hat Watanabe mein bestehendes Fazit noch bestärkt: Finger weg von Software, die von Watanabe stammt – es sei denn, man mag Adware und möchte einen dubiosen Mac-Entwickler mit unseriösen Geschäftspraktiken unterstützen …
Nachtrag vom 13. Januar 2008: Inzwischen ist die Stellungnahme von David Watanabe nicht mehr online. Ähnliche Probleme konnte Watanabe in der Vergangenheit mit Erfolg aussitzen.
ich glaube, mir wird übel!
ist es eigentlich nicht strafbar, werbung nicht zu kennzeichnen?
Also aus Erfahrung weiß ich, dass laut dem Mediengesetz (oder wie das heißt) sehr wohl Werbung als solche sichtbar gemacht werden muss.
Hab ich bzw. unsere Firma erst vor kurzem schmerzlich erfahren müssen.
P.S.: «Inquisitor» kann man durch Entfernen der folgenden Dateien unschädlich machen:
(via http://zanshin.net/2008/01/08/that-was-quick/)
Immerhin kann niemand behaupten, Watanabe wolle in der Apple-Welt beliebt sein!
http://squidnews.com/2007/04/1.....omplaints/
Und heute wurde Herrn Watanabe in Sachen NewsFire wenigsten auch noch kräftig in den Allerwertesten getreten, denn seit heute gibt es den besten Feedreader für den Mac (und auch den für Windows) kostenlos.
@Sascha: Wow!
Und wie «bezahlt» man nun für NetNewsWire, sprich wie begründet Gator diesen überraschenden Schritt?
@MacMacken: Die offizielle Pressemitteilung gibt es hier
Erfreulich … schauen wir dem geschenkten Gaul vorläufig nicht näher ins Maul!
John Gruber (http://daringfireball.net/link.....inquisitor) ist auch ein Freund von Watanabe und dessen Spyware. Das muss man sich merken! Traurig!
@Anonymus: Manche mögen Adware halt, was soll man dazu noch sagen?
Fürs Kommentararchiv nachfolgend die Stellungnahme von John Gruber, auf die Du verlinkt hast:
@macmacken: angenommen man kann den *besten newsreader aller zeiten* installieren – er wäre aber ad-ware oder spyware oder was auch immer verseucht. bekommt man dass dann unter os x leopard sauber wieder runtergeschmissen?
weisst du des zufälligerweise?
greetz aus dem wallis,
abi
@ abi:
Einfach das Programm löschen und dann würde ich mithilfe von Spotlight nach dem Dateinamen “inquisitor” suchen und alle Ergebnisse ins Exil befördern.
Unter Leopard muss man leider die Suche noch speziell einstellen, sodass die Systemdateien angezeigt werden.
[...] Jetzt ist es raus, Inquisitor für Safari “tarnt” Affiliate Links als normale Suchergebnisse und hat damit den Status von AdWare erhalten. Ich finde es prinzipiell nicht so schlimm, das ein Freeware Programm sich über Werbung finanziert, allerdings wäre es schön gewesen, wenn der Autor (wer schon mal mit ihm zu tun hatte, der wird sich darüber allerdings nicht wundern) des Programms die Nutzer darüber informiert hätte. Und jetzt, wo es jeder weiß, macht’s für mich keinen Unterschied mehr und ich werde das Programm weiter nutzen, weil es doch neben den “Nachteilen” einen immensen Nutzen für mich hat. Dieser Eintrag wurde von Sascha Dietrich am 10. Januar 2008 um 09:37 Uhr geschrieben, abgelegt unter Software. Permalink. Verfolge alle Kommentare mit dem RSS Feed für diesen Eintrag. Kommentieren. Trackback URL. « Den besten Newsreader für den Mac gibt es jetzt kostenlos [...]
@wazi: danke für deine antwort. ich nehme an, das gilt auch für NetNewsWire, oder?
@ abi:
Das gilt eigentlich für alle Programme, welche du wirklich komplett löschen willst.
Ich stimme der Antwort von «wazi» zu.
Mit einer Ausnahme: Echte Malware definitiv zu entfernen kann sehr schwierig sein, teilweise lässt sie sich nicht mit vollständiger Sicherheit entfernen. In einem solchen Fall besteht die einzige Lösung darin, das System aus sauberen Quellen vollständig neu aufzusetzen. Davon kann im Fall von NetNewsWire bislang aber keine Rede sein, auch wenn man sich hier vergegenwärtigen muss: TINSTAFFL!
Absolut keine Feine Sache mit der Adware, aber bis jetzt habe ich immer Inquisitor genutzt und auch wenn die Aktion scheiße war werde ich weiterhin Inquisitor nutzen – es funktioniert und macht Spaß! Was solls. Gibt dann doch noch wichtigere Sachen über die man sich aufregen kann (oder auch nicht).
Was solls? Leute wie Du bewirken dass sich Typen wie Watanabe überhaupt im Geschäft halten können. Das ist ja das Absurde: Spammer, Betrüger, Abzocker, die alle finden Opfer, bei denen sie sich bedienen können. Und die das sogar noch gut finden! :würg:
@Anonymus: Stimmt … aber ich möchte niemandem verbieten, sich betrügen zu lassen, Adware zu nutzen und so weiter – Freiheit in der Entscheidung!
Entscheidungsfreiheit bedingt, dass man über Entscheidungsgrundlagen verfügt. Man kann sich nur pro oder contra Adware, usw. entscheiden, wenn man über das entsprechende Wissen verfügt. Watanabe lässt für seinen «Inquisitor» bis heute jeden Hinweis darauf vermissen, dass seine Software Adware ist (wie auch überhaupt Informationen zum Programm weitgehend fehlen, allein damit wirkt «Inquisitor» unseriös und verdient keine Empfehlung).
Ich werde auch keine Werbung für das Programm machen und mal sehen was sich in der Sache noch so entwickelt. Ich finde das ganze wird zu hoch gespielt.
@Anonymous: ich fühle mich nicht als Opfer, so ein Schwachsinn. Spammer finden Opfer, aber das hat doch nichts mit Opfer zu tun….
@Johannes: Die Aufregung hängt auch mit der Person von David Watanabe zusammen, passend dazu leider auch seine Stellungnahme zur Angelegenheit. Anstatt sein Verhalten zu ändern, sprich über die Adware in seiner Software zu informieren, heult er rum und ändert nichts an seinem Verhalten.
ich bin jetzt von lesen ein bisschen verwirrt. Ist die Software “NetNewsWire 3.1″ auch von dem Herrn Watanabe??
Wenn nicht, ist die Software zu empfehlen??
Nein, wie kommst Du darauf?
NetNewsWire stammt von NewsGator.
Ich bin mit NetNewsWire sehr zufrieden ja. Sehr nützlich finde ich insbesondere den automatischen Download von Attachments und die Archivfunktion im HTML-Format.
Bei den Kommentaren über gute/böse Adware kam es für mich so rüber, ob das Programm auch von ihm wäre.
NetNewsWire ist nun als «Freeware» erhältlich. Ich verstehe das Angebot so, dass man für die Nutzung von NetNewsWire sowie den damit verbundenen Online- und Synchronisationsdiensten nichts bezahlen muss. Die Daten der Online- und Synchronisationsdienste werden aber versilbert, man bezahlt also auch hier, bloss nicht direkt in CHF, EUR oder USD.
Google Reader/Google FeedBurner funktionieren im Bezug auf die «Bezahlung» ähnlich.
Allerdings kann man das in den Einstellungen abstellen: Preferences>Syncing>Account>Include attention data when syncing
oder man verwendet überhaupt keine Synchronisation mit NewsGator. Es wird also niemand gezwungen, etwas preiszugeben. Aber ich denke nicht, dass es schadet, die Daten zu übertragen, um damit dann vielleicht auch sicherzustellen, dass das Programm auch weiterentwickelt und weiterhin kostenlos bleibt.
@Sascha: Genau, NetNewsWire spielt in einer ganz anderen Liga als Inquisitor – in einem positiven Sinn!
Und noch ein Beitrag fürs Archiv, nämlich die Stellungnahme von David Watanabe vom 8. Januar 2008, die mittlerweile leider nicht mehr online zu finden ist:
(via Google Cache)
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Jetzt hat Yahoo! die, hmmm, ähmm Software von Watanabe gekauft!
http://www.newsfirex.com/blog/?p=203
Ach, Safari und die so genannten Erweiterungen … unabhängig von «Inquisitor» ist für mich das fehlenden von echten Erweiterungen für Safari ein Trauerspiel. Apple verpasst damit eine grosse Chance und fördert einen Typ von Entwickler, dem man sich nach Möglichkeit nicht anvertrauen sollte.